
Berufen zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit?
Ein Statement von Stefan Schneider
Das Engagement für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und die Bewahrung der Schöpfung ist seit kurzem in unserer Gesellschaft – wieder mal – in der Prioritätenliste weit nach hinten gerückt. Auch in den Kirchen gibt es entsprechende Tendenzen. Demgegenüber stellen ChristInnen die provokante Frage „Wäre Jesus Klimaaktivist?“, die sie mit einem klaren „Ja, natürlich“ beantworten.
Was haben nun Klimaschutz und Nachhaltigkeit mit dem christlichen Glauben, mit dem Glauben an Gott zu tun? Sind wir ChristInnen womöglich sogar berufen, uns für Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu engagieren?
Jesus – so könnte man sagen – war zu seiner Zeit ein Aktivist für das Kommen des Reiches Gottes. Er handelte aus einer inneren Verbindung zu Gott, seinem himmlischen Vater, um seine Mitmenschen für das Kommen von Gottes Reich zu sensibilisieren. Jesus warb für eine Haltung der Liebe zu Gott und zu seinen Mitmenschen, sogar zu den Feinden. Die Liebe zur gesamten Schöpfung ist für ihn in diese umfassende Liebe inbegriffen. Das zeigt sich unter anderem daran, dass er in seinen Gleichnissen häufig auf Bilder aus dem Leben der Natur zurückgriff.
Papst Franziskus stand mit seiner Enzyklika Laudato Si ganz in dieser jesuanischen Tradition. Auch für Franziskus schließt die Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen die gesamte Schöpfung selbstverständlich mit ein. In der Enzyklika spricht er von der „universalen Geschwisterlichkeit“, in die auch die Elemente, z.B. die Luft, die wir atmen, und der Regen, sowie alle Mitgeschöpfe inbegriffen sind. Diese dürften nicht „als eventuell nutzbare Ressourcen“ betrachtet werden, so Franziskus, sondern sind von uns in ihrem von Gott verliehenen Eigenwert zu respektieren.
Im Glaubensbekenntnis bekennen wir ChristInnen unseren Glauben an den liebenden Schöpfergott. Wie können wir dann das schöpferische Werk Gottes gering schätzen, beschädigen und gar zerstören? Solches Handeln untergräbt die Glaubwürdigkeit von uns ChristInnen. Das gilt auch für die Kirche insgesamt. Das missionarische Zeugnis für den Gottesglauben und das ernsthafte Engagement für den Erhalt der Schöpfung Gottes auf dieser Erde gehören zusammen.
Daher ist für Papst Franziskus eine ökologischen Umkehr notwendig, „um eine Versöhnung mit der Schöpfung zu verwirklichen“ (LS 218). Wie leicht festzustellen ist, reicht das Wissen um die drohende Klimakatastrophe als Motivation für die ökologische Umkehr nicht aus. Es braucht eine neue spirituelle Grundhaltung gegenüber der Schöpfung, damit der Wandel gelingen kann. Franziskus regt eine „Mystik, die uns beseelt“ (LS 216) und zu umweltgerechtem Handeln motiviert, an. Wem in der Natur eine Ahnung oder Erfahrung des liebenden Schöpfergottes geschenkt wird, geht – hoffentlich – achtsam mit der Schöpfung und allen Geschöpfen um und schützt sie vor Zerstörung.
Das Ziel der ökologischen Umkehr ist ein nachhaltiger, klimafreundlicher Lebensstil, wie ihn die Kirchen in der jährlich stattfindenden ökumenischen Aktion Klimafasten propagieren.
Mein Fazit lautet: Ja, wir ChristInnen sind tatsächlich berufen, uns nach Kräften für den Erhalt von Gottes guter Schöpfung einzusetzen und unseren Beitrag zur lebensfördernden Weiterentwicklung der Schöpfung Gottes in unserem Lebensumfeld zu leisten. Das tun wir im Vertrauen darauf, dass unsere begrenzten Handlungsmöglichkeiten von Gott aufgenommen und zum großen Ziel weitergeführt werden.
Jesus wäre heute sicher aktiv für den Klimaschutz und für die Bewahrung der Schöpfung. Also ein Klimaaktivist in Liebe zu Gott, zu allen Menschen und zur gesamten Schöpfung.
ZUR PERSON: Stefan Schneider (64) hat Theologie und Sozialpädagogik studiert, war Geschäftsführer des pax christi-Diözesanverbands Rottenburg-Stuttgart und ist seit 2000 Umweltreferent unserer Diözese. Zu seinen Aufgaben gehören dabei insbesondere die Konzeptentwicklung im Bereich Kirche und Umwelt, Projekte zur Bewahrung der Schöpfung, Bewusstseinsbildung, Außenvertretung und Beratung kirchlicher Akteure.
KONTAKT: VALERIE STENZEL (26)





