7 Fragen an… Ulrich Kloos

1. Wann gab es in Ihrem Leben einen Kipppunkt, an dem Sie gespürt haben: Jetzt geht es in eine neue Richtung?
Während meines Abiturs im Internat. Ich war ein schüchterner Außenseiter, aber in meinem Gebetskreis erlebte ich eine tragende Gemeinschaft und erkannte, dass Gott für mich da ist. Diese Glaubenserfahrung erlebte ich als befreienden Kipppunkt und bin seitdem immer freier, offener und angstfreier geworden.

2. Welches Land würden Sie in Ihrem Leben gerne noch bereisen und warum?
Ich würde gerne für längere Zeit bei den Benediktinern am See Genezareth im Heiligen Land bleiben, um dort Exerzitien zu machen.

3. Was bedeutet für Sie persönlich „Berufung“?
Berufung ist für mich eine Beziehung zu Jesus Christus und ein hörendes Unterwegs- Sein mit Gott. Durch Exerzitien als Zeiten der Stille und des Rückzugs erkenne ich meinen Weg immer wieder neu.

4. Die Taufe im Erwachsenenalter ist oft ein echter Kipppunkt im Leben: Was bewegt Sie bei der Begleitung von erwachsenen Taubewerber*innen besonders?
Mich bewegt vor allem, wie kreativ Gottes Geist Menschen zum Glauben führt und in Menschen plötzlich die Sehnsucht nach dem Glauben weckt.

5. An welchem Ort kommen Sie selbst besonders zur Ruhe oder finden Sie neue Klarheit?
Ich komme besonders gut in Kirchen zur Ruhe, weil ich in diesen heiligen Räumen eine verborgene Kraft spüre. Ein solcher Kraftort ist für mich die Wiblinger Basilika. Wenn ich dort in Stille sitze, werden meine Gedanken klarer und das gibt mir immer wieder neue Kraft.

6. Wo erleben Sie derzeit Kipppunkte in Kirche oder Gesellschaft, die Ihnen Hoffnung machen?
Hoffnung geben mir überraschende Glaubenswege, etwa wenn ungetaufte Eltern nicht nur ihr Kind, sondern auch sich selbst taufen lassen möchten. Solche Begegnungen sind für mich kleine Wunder, die mir unheimlich Mut machen.

7. Zum Schluss: Worüber können Sie, trotz aller Herausforderungen, immer noch herzlich lachen?
Seit meiner Schulzeit spiele ich Theater und besonders gerne den Sketch „Dinner for One“. Wenn ich in der Rolle von James immer betrunkener werde, den Satz: „The same procedure as every year“ mehrfach wiederhole und abschließend sage: „I will do my very best“, dann bin ich auch für mein kirchliches Tun wieder gut aufgelegt.

ZUR PERSON
Ulrich Kloos (57) ist seit 2015 Dekan des Dekanates Ehingen-Ulm. Nach seinem Abitur studierte er katholische Theologie in Tübingen und Rom und wurde 1997 zum Priester geweiht. Seit 2014 ist er Pfarrer in Ulm-Wiblingen und begleitet in seiner Tätigkeit in den letzten Jahren immer wieder Erwachsenentaufen. Dekan Ulrich Kloos ist seit März 2026 der neue Sprecher des zwölften Priesterrats in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

INTERVIEW
ISABELLA REISCH (26)