In der November-Ausgabe 2014 von „berufen“ war auf dem Titel ein junger Iraker zu sehen, darunter die Zeilen: „Als Christ aus dem Irak geflohen. Rabee Jacob aus Waiblingen – Berufsziel: Gemeindereferent“. Vier Jahre später erzählt er, wie seine Geschichte weiterging.

Haben Sie Ihren Berufswunsch „Gemeindereferent“ wahrgemacht?

Ja! Ich bin Gemeindereferent mit Dienstsitz in St. Antonius in Waiblingen. Und ich freue mich sehr an meiner Arbeit, daran, am Reich Gottes mitzubauen.

Wie haben Sie die Ausbildung in Freiburg erlebt?

Die Inhalte haben mir sehr geholfen. Einerseits für meinen Beruf, andererseits für mich persönlich. Je mehr ich lernen durfte, desto sicherer fühlte ich mich in meinem Glauben. Doch das Theologie-Studium endet für mich nicht mit dem Abschluss – ich halte mich an die drei „L’s“: Lebenslanges Lernen!

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?

Am meisten gefällt mir, dass ich wirklich Gutes tun kann. Das meine ich nicht aus einem persönlichem Egoismus heraus, sondern weil ich spüre, dass es anderen guttut, dass jemand da ist. In vielen Unternehmen geht es vor allem um Wachstum und Umsatz. Ich helfe Menschen, das ist für mich unbezahlbar. Und indem ich meinen Glauben zum Beruf gemacht habe, kann ich meine Religion damit in einen harmonischen Ein- klang leben – das gefällt mir sehr.

Sie haben uns 2014 gesagt, dass Ihnen besonders die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gefällt. Ist das Teil Ihrer täglichen Arbeit geworden?

Ja, das ist quasi mein tägliches Brot bei der Erstkommunionvorbereitung und in der Schule. Dabei merke ich, dass die Kinder von zu Hause wenig religiöses Wissen mitbringen, wenn sie zum Beispiel nicht mal das Kreuzzeichen kennen. Da ist es schön, ihnen etwas mitgeben zu können, aber auf kollegiale Weise. Ich versuche mir immer bewusst zu machen: Ich habe auch noch etwas von ihnen zu lernen. Für mich ist das die richtige Einstellung, denn Glaube wird größer, wenn man ihn teilt.

Sie haben uns damals auch von Ihrer Flucht aus dem Irak erzählt, dass Ihre Oma noch dort lebt und Sie sich große Sorgen machen. Wie ist die Situation dort heute?

Leider hat sich nicht viel geändert, das ist ein trauriges Thema. Meine Oma lebt dort leider nicht mehr. Sie wurde von IS-Kämpfern vertrieben und mit tausenden anderen Christen in den Norden des Irak verschleppt. Dort ist sie gestorben, der Stress war für sie zu viel. Ich habe in meiner Heimat nun keine Verwandten mehr. Alle sind tot oder geflohen. Ich mache mir sehr, sehr viele Sorgen. Dieses Land ist eigentlich auch ein christliches Land – das schöne Zweistromland, Mesopotamien. Wenn ich jetzt dorthin sehe, blutet mein Herz, nicht nur, weil ich an meine Familie denke, sondern weil die Christen immer weniger werden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass die Menschen auch mal auf ihre Seele schauen. Ich beobachte, dass viele sich erst im Alter mit dem Glauben befassen, wenn es ihnen nicht mehr so gut geht. Es wäre schön, wenn Eltern an ihre Kinder weitergeben würden, dass Glaube auch Nahrung für die Seele ist. Für mich persönlich habe ich keine Wünsche offen, außer dass ich mich mehr in meinen Glauben vertiefen möchte. Es geht mir gut, dafür bin ich sehr dankbar.

 

Text: Alina Oehler (27)